Finnland von Süd nach Nord – und kreuz und quer durch Skandinavien: Greifswalds Festival Nordischer Klang 2026
Von Pauline Hübner / Frithjof Strauß
Zum 35. Mal wird vom 8. bis zum 17.5.2026 der Nordische Klang mit einem genussvollen Programm aus den nordeuropäischen Ländern über Greifswalds Bühnen gehen. Die Schirmherrschaft des populären Festivals hat Dänemark übernommen.
Die echte Gitte kommt!
Die Schirmherrschaft hat Dänemark übernommen, und von dort kommt die in Deutschland bekannteste und beliebteste Nordländerin überhaupt! Die echte Gitte, Nachname: Hænning, Schlager-, Pop- und Jazzstar. mit ihrer Show zum 80sten unter dem Motto "Ich bin stark!". Wussten Sie, dass die wunderbare Künstlerin sogar auf Finnisch gesungen hat? Da war sie 14. Den Song „Tämä maa“ hatte der Pariser Akkordeonvirtuose Joseph Moutet komponiert. Auf der B-Seite der Single erklingt der Swingklassiker Stormy Wheather in voller Jazzperfektion. Wegen dieser schon damals vollendeten Vielfalt gibt es schlichtweg keine bessere Galionsfigur für den bunten Nordischen Klang. Wenn Sie dies lesen, dann ordern Sie schnell Karten unter mvsticket.de, denn allzu viele sind nicht mehr da.
Ein Folkfest bis der Drehwurm kommt
Für richtig gute Laune sorgt die DFG, wenn sie das Folkquartett Thalamus auf Tour sendet. Dieser Name steht für die graue Substanz in unserem Zwischenhirn, und die hat bekanntlich den direkten Draht in die Tanzbeine. "Nach einem Konzert mit uns wandelt das Publikum mit Drehwurm durch die Landschaft", berichten die Bandmitglieder Riku Elomaa, Elina Lappalainen, Pauliina Pajala und Henrik Norri, die seit fast drei Jahrzehnten miteinander spielen. Wenn sie mit ihren Instrumenten Akkordeon, Bass, Geige und Bouzouki die Bühne betreten, springt der Funke sofort über. Ihre Liebe zur Musik reißt die Leute mit, und schnell wird getanzt, geklatscht und gelacht. Die gemeinsame Begeisterung für Folkmusik, die die preisgekrönte Band 1997 zusammengebracht hat, ist bis heute ungebrochen und hochgradig ansteckend. Sie kommt mit breit gefächertem Repertoire. Traditionelle Stücke aus dem Norden treffen auf eigene Kompositionen, in denen Einflüsse anderer europäischer Regionen, Nordamerikas und sogar Nordafrikas anklingen – kein Wunder also, dass sie gerne ihren Stil als "Nordic Folk Music with global twist" bezeichnen.
Joik im Elektrorausch
Ein ganz großer Höhepunkt wird das Konzert der saamischen Musikerin und Joikerin Hildá Länsman zusammen mit dem Electronica-Künstler Tuomas Nuorvio und der Visual-Artistin Alice Jektevik. Ihre Auftritte sind multimediale Gesamtkunstwerke, die zum beeindruckendsten der modernen Global- und Klubmusikszene zählen. Hildá Länsman aus Ohcejohka, dem nördlichsten finnischen Teil von Sápmi, wuchs in einer Familie von Rentierzüchtern und Joikern auf; ihre Mutter und ihre Tante traten sogar schon als Angelin Tytöt (die Mädchen aus dem Dorf Angelin) beim Klang in den 1990er Jahren auf und begründeten den langen Reigen saamischer Sounds in Greifswald. Hildá Länsman
widmet sich der Förderung und Weiterentwicklung der saamischen Kultur geht ganz innovative Wege. Tuomas Norvio, ein finnischer Sounddesigner, Komponist und Produzent, verwebt seine komplexen elektronischen Klanglandschaften voller urbaner Intensität und Großstadtmelancholie in grenzensprengende Trips im Geist der saamischen Musiktradition – und schafft so einen künstlerischen Treffpunkt zwischen Helsinki und der Tundra. Hildás und Tuomas' Debütalbum Dajan erschien 2025 und wird vom Duo selbst als Dialog zwischen Tradition und Technologie, Mensch und Maschine, Erde und Elektrizität beschrieben. Ihre energiegeladenen Konzerte leben von Improvisation, die eine anhaltende Spannung in der Live-Situation erzeugt. Alice Jektevik tritt häufig mit ihnen gemeinsam auf und mischt selbst produzierte Visuals mit Tonsignalen und Aufnahmen, die in Zusammenarbeit mit Hildá Länsman entstanden sind. Das Duo hat 2025 auf großen nördlichen Festivals gespielt und wurde für die Showcase-Festivals Womex, By:Larm und Eurosonic Noorderslag ausgewählt. Jetzt ist es Zeit für die Publikumsszenen des Kontinents und ein äußerst bewegendes und unwiderstehlich tanzbares Konzert!
Wissenschaft und Literatur zu Finnischer Nachhaltigkeit
Im Rahmen des Nordischen Klangs organisieren der Lehrstuhl für Fennistik und das Finnisch-Lektorat der Universität Greifswald die Tagung Finnisch Nachhaltig. In Workshops und Diskussionen werden die ökologischen Perspektiven Finnlands erörtert. Zur Tagung werden Skandinavistik- und Fennistik-Studierende des deutschsprachigen Raums begrüßt. Im Rahmen der Tagung findet ein für alle Interessierte öffentliche Lesung mit der Schriftstellerin und Biologin Inkeri Markkula statt. Ihr kürzlich auf Deutsch im mareverlag in der Übersetzung von Stefan Moster erschienener Roman Wo das Eis niemals schmilzt handelt von einer schicksalhaften Begegnung im kanadischen Eis und von der Möglichkeit, zwei Geschichten zu einer zu verschmelzen.
Und sonst so?
Das gesamte Programm des Festivals finden Sie unter www.nordischerklang.de und im bald erscheinenden Programmheft. Lesen Sie dort auch über eine Band aus lauter Trollen (!), eine aberwitzige Slapsticktheatervorstellung mit Herrentennis, Urban Pop von den Färöerinseln, coole Dancebeats aus Island, über schwungvollen Tanz zu geträllertem Folk, Tributekonzerte für Stevie Wonder, für die Eurythmics und Songlegende Bob Dorough, und weiter über smoothen Hip-Hop aus Norwegen, Klassik und Barock vom Feinsten – sicherlich wird auch Klavier von Sibelius erklingen, darunter auch vom liebgewonnenen Musikbesuch aus Kotka, eine estnische R&B- und Discoprinzessin, und Ausstellungen, Kino, Gespräche, Literatur, Kinderprogramm, und, und, und...
Kommentare