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Die Industrie am Ufer der Tammerkoski-Stromschnellen

An den Ufern der Tammerkoski-Stromschnellen in Tampere blühte über zwei Jahrhunderte eine lebhafte Industrie, die nicht nur die Geschichte und das Bild der Stadt prägte, sondern auch nationale wie auch internationale Bedeutung hatte. 

von Sarah Baumann , 14.04.2026 — 0 Kommentare

Feier anlässlich der 800. Lokomotive im Jahr 1950, die in der Fabrik von Oy Tampella Ab produziert wurde. © Fotograf: Veikko Kanninen, Fotoarchiv: Vapriikki, CC BY 2.0

Die Industrie am Ufer der Tammerkoski-Stromschnellen

Wir befinden uns in Tampere: der Stadt, die zwischen den Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi gelegen ist. Bedeutend für die Anfänge der städtischen Industrie, welche nationale Bedeutung gewinnen sollte, sind die Tammerkoski-Stromschnellen. Riitta Nikula bezeichnet Tampere auch als »Finnish Manchester« (Nikula 1993: 83). Grund dafür ist das große Industriekomplex, dass bis heute das Stadtbild prägt. Folgend soll ein kurzer Überblick über die industrielle Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert gegeben werden.

Das Westufer: Finlayson und Frenckell

Wenn die Sonne untergegangen ist, leuchtet das Logo des Unternehmens Finlayson unermüdlich weiter. Die Wiege des Unternehmens – welches Bettwäsche, Teppiche, Kleidung und Bademäntel herstellt – liegt im Jahr 1820, als der Schotte James Finlayson eine Lizenz für eine Weberei-Betriebsanlage erhält. In der Weberei wurde Wolle gewebt und Baumwollgarn hergestellt. 1836 ging die Weberei in den Besitz von Unternehmern aus St. Petersburg über, in deren Händen es für Jahrzehnte bleiben sollte. Der Komplex wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich erweitert, woraufhin in dem Fabrikgebäude bis zu 1200 Webstühle untergebracht werden konnten. Der erste Unternehmer aus St. Petersburg deutschbaltischer Abstammung war Wilhelm von Nottbeck, welcher neben der Fabrik seinen herrschaftlichen Wohnsitz errichten ließ. Sein Sohn Alexander von Nottbeck, welcher das Unternehmen Ende des 19. Jahrhunderts übernahm, ließ an der gleichen Stelle einen neuen Palast errichten. Der Prachtbau mitsamt Gartenanlage war bis 1917 Residenz des Geschäftsführers der Fabrik. Später wurden hier Empfänge ausgerichtet, wie beispielsweise für die Präsidenten Urho Kekkonen und Mauno Koivisto. Heute befindet sich in dem Palast ein Restaurant und die Grünanlage lädt zum Verweilen ein. 

Finlayson ist allerdings nicht die erste Fabrik, welche am Ufer des Tammerkoski erbaut wurde. Bereits 1783 säumte die Frenckell-Papierfabrik das Ufer der Stromschnellen und sollte von Tampere aus die finnische Papierherstellung prägen. 1844 konnte die Fabrik die erste Papiermaschine in Finnland präsentieren. Unter anderem wurde die schwedischsprachige Zeitung Saima, deren Gründungsvater Johan Snellman (Philosoph und Staatsmann) gewesen ist und die ferner wirtschaftskritische Artikel bis 1846 veröffentlichte, auf Papier der Frenckell-Papierfabrik gedruckt. Exportiert wurde darüberhinaus nach Tallinn und St. Petersburg. 

Das Ostufer: Maschinenfabrik und Flachsspinnerei

Die Fabrikgebäude Finlayson und Frenckell säumten das westliche Ufer der Tammerkoski-Stromschnellen. Am Ostufer, welches erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Stadt angeschlossen wurde, erhoben sich eine Flachsspinnerei sowie ein Schmelzofen aus den Jahren 1843-44 war. In dem Hochofen wurde Eisenerz aus der Umgebung zu Roheisen reduziert – das Eisenerz stammte maßgeblich aus der Haver-Mine von Ylöjärvi (nordwestlich von Tampere). In einer Gießerei konnte das Roheisen weiterverarbeitet werden. Als 1856 der reiche Unternehmer aus Seinäjoki Gustaf August Wasastjerna den Schmelzofen übernahm, errichtete er zusätzlich eine Maschinenfabrik. Während der Schmelzofen schon 1884 abgerissen wurde, prosperierte die Maschinenfabrik, in welcher Wasserturbinen und Dampfschiffe hergestellt wurden. Ab 1900 fuhrten die ersten Dampfeisenbahnen aus der Werkstatt. Die Lokomotive mit der Nr. 315, welche am 26. Juni 1900 als erste Dampfeisenbahn die Werkstatthallen verließ, kann heute in restaurierter Form in dem Technischen Museum in Tampere besichtigt werden.

Die Maschinenfabrik und die Flachsspinnerei wurden 1861 in dem Unternehmen Tampereen Pellava- ja Rautateollisuus Oy (wortwörtl. Tampere Leinen- und Eisenbahnindustrie GmbH) vereinigt, welches bis 1991 unter dem Namen Oy Tampella Ab in Betrieb war. Hier wurden Papiermaschinen, Lokomotiven, Turbinen, aber auch Waffen wie beispielsweise Granatwerfer produziert. Die Leinenherstellung war weniger wirtschaftlich, als kulturell bedeutend. Heute befindet sich in den ehemaligen Industrieanlagen das Museumszentrum Vapriikki

Literatur 
Frenckell konttori: Usein kysytyt kysymykset. <https://frenckell.com/usein-kysytyt-kysymykset/; 14.04.2026>. 
Järvi, Mikko: Tammerkosken muutos ja rakennusperintö. – https://web.archive.org/web/20101108082612/http://www.rakennusperinto.fi/rakennusperintomme/artikkelit/fi_FI/tammerkoski/ 14.04.2026. 
Museokeskus Vapriikki: Tietoa Vapriikista. – https://www.vapriikki.fi/museo/tietoa-vapriikista/ 14.04.2026. 
Nikula, Riitta (1993): Architecture and landscape. The buildung of finland. Helsinki: Otava Publ.
Vesa Toivonen (2014): Kranaatinheittimet 1. maailmansodasta vuoteen 2014 - suomalainen näkökulma. – https://yhdistykset-akaa.fi/reservilaiset/krh.pdf 14.04.2026.
Informationstafeln in dem Stadtviertel Tampella, Tampere.

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