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Alltag im finnischen Journalismus


Eine Studie an der Universität Tampere beschäftigt sich mit den äußeren Einflüssen auf den Arbeitsalltag finnischer Journalisten.

von MoinMoiNews , 22.11.2018 — 0 Kommentare

© Joshua Rawson Harris (bearbeitet)


Zusammen mit den übrigen nordischen Ländern führt Finnland bereits seit Jahren die internationale Rangliste der Pressefreiheit an. Journalistische Autonomie ist ein hohes Gut, das trotz der zunehmenden Kommerzialisierung von Nachrichten und den neuen Herausforderungen einer hybriden Medienlandschaft im Norden oft für selbstverständlich gehalten wird – vielleicht sogar für zu selbstverständlich, wie der Forscher Ilmari Hiltunen von der Universität Tampere meint. In seiner Studie „Experiences of External Interference Among Finnish Journalists” hat er daher Journalistinnen und Journalisten zu ihren Erfahrungen befragt: Wie sieht heute der Arbeitsalltag im finnischen Journalismus aus? Mit welchen Problemen sehen sich die Journalisten konfrontiert?

Hiltunen verwendete für seine Studie einen anonymen Onlinefragebogen, um auch solche Erfahrungen zu erfassen, die aufgrund ihrer niedrigen Intensität meist nicht angezeigt werden. Durch die dichte Vernetzung innerhalb der finnischen Journalismusbranche konnte Hiltunen nahezu alle in Finnland aktiv tätigen Journalisten erreichen. Insgesamt erhielt er bis zum Ende der zweiwöchigen Befragungszeit 875 Antworten, zu einem großen Teil mit ausführlichen Kommentaren.

Den Ergebnissen der Studie zufolge haben vor allem verbale Attacken gegen Journalisten deutlich zugenommen. Von den Befragten gaben 60% an, in ihrem Arbeitsalltag bereits Opfer von Beschimpfungen und Diffamierungen geworden zu sein, 15% erlebten dies sogar regelmäßig, also mindestens einmal in einem Zeitraum von drei Monaten. Die erhöhte Sichtbarkeit und Erreichbarkeit von Journalisten durch die sozialen Medien und die Kommunikation im Internet habe dazu geführt, dass verbale Übergriffe für viele zu einem ständigen Begleiter geworden seien. Neben individuellen Attacken berichteten die Befragten auch von organisierten Hasskampagnen von alternativen Medien, die sich als Kämpfer gegen den Mainstream sähen und oft radikale politische und ideologische Überzeugungen verträten. Bisweilen würden im Zusammenhang mit solchen Kampagnen auch private Daten von Journalisten im Internet veröffentlicht, und 18 Prozent der Befragten gaben an, während der letzten drei Jahre Drohungen gegen ihre eigene Person oder ihre Angehörigen und Freunde erhalten zu haben.
Körperliche Angriffe seien dem gegenüber sehr selten, kämen in letzter Zeit aber gehäuft bei der Berichterstattung über Demonstrationen vor.

Auch wenn ein Großteil der in der Studie dokumentierten Übergriffe relativ selten vorkamen, können sie nach Hiltunens Ansicht auf lange Sicht dennoch ernsthafte Konsequenzen haben. Instanzen von öffentlicher Beschimpfung und Diffamierung insbesondere seien strategische Kommunikationsakte, die nicht nur dem Opfer, sondern auch anderen Journalisten gälten. Kumulativ könnten solche einzelnen Vorkommnisse zudem ein öffentliches Klima schaffen, in dem Selbstzensur und Schweigen einer Äußerung zu als riskant empfundenen Themen vorgezogen würden. Als Risikothemen identifiziert Hiltunen in Übereinstimmung mit früheren Studien unter anderem Immigration, sexuelle Minderheiten, Fragen der Gleichberechtigung und des Gesundheitswesens sowie die Beziehungen zu Russland. Einige der befragten Journalisten gaben sogar an, dass sie die steigende Polarisierung in öffentlichen Sphären dazu gebracht habe, ihren Beruf mitunter zu verschwiegen.

Mit Blick auf die Konzeption seiner Studie weist Hiltunen im Fazit darauf hin, dass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres verallgemeinern ließen. Es sei allerdings wichtig, die Forschung zu diesem Thema voranzutreiben, um die gegenwärtige Entwicklung des Journalismus im Kontext westlicher Demokratien besser zu verstehen.    

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