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Männer- und Frauenjobs


Der Anteil der Männer und Frauen in bestimmten Berufsfeldern hat sich ausgerechnet in Finnland in den letzten 30 Jahren kaum geändert. Warum ist das so?

von MoinMoiNews , 14.02.2019 — 0 Kommentare

© Rawpixel/Unsplash (bearbeitet)


Finnland ist im Allgemeinen ein Vorreiter auf dem Gebiet der Gleichberechtigung. International bekannt ist die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen im Jahr 1906, aber auch in jüngerer Zeit hat das Land von sich reden gemacht. 2017 wurde ein geschlechtsneutrales Eheschließungsgesetz verabschiedet, das unter anderem auch gleichgeschlechtlichen Partnern die Adoption von Kindern ermöglichte, und im letzten Jahr rief der finnische Staat den International Gender Equality Prize ins Leben, um Personen oder Organisationen zu ehren, die sich auf der internationalen Bühne besonders für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzen. Auch über veraltete Rollenbilder und die verschiedenen Formen von Weiblichkeit und Männlichkeit wird immer wieder diskutiert.

Zieht man all dies in Betracht, kommt es durchaus überraschend, dass sich auch in Finnland eine geschlechterspezifische Trennung der Berufsfelder erhalten hat. Nach Angaben des Statistikzentrums Tilastokeskus und Yle überwog 2016 der Anteil der Frauen auf den Ausbildungspfaden im Gesundheits- und Erziehungssektor mit 82 und 78 Prozent deutlich. Umgekehrt gab es im IT- und Technikbereich mit 85 und 81 Prozent mehr Männer. Eine annähernd ausgewogene Aufteilung erreichten mit einer Trennung von 50/50 und jeweils 56/44 die Naturwissenschaften sowie der Dienstleistungssektor und der Bereich Land- und Forstwirtschaft.

Auch der Arbeitsmarkt ist nach Geschlechtern aufgeteilt, denn seit den 1980er-Jahren hat sich an der Häufigkeit, mit der Frauen und Männer bestimmte Berufe ergreifen, kaum etwas geändert. „Es ist wirklich verwirrend“, bestätigt die Forscherin Inkeri Tanhua vom Projekt SEGLI, das sich für einen ausgeglicheneren Arbeitsmarkt einsetzt. „Man ist in Finnland aufgewachsen und hat doch immer gehört, dass jeder jede Arbeit machen kann. Wenn das tatsächlich so ist, warum passiert es dann nicht auch?“ Sie vermutet, dass dem sozialen Umfeld große Bedeutung zukommt. Die Wahl, die junge Männer und Frauen bezüglich Ausbildung und Beruf träfen, werde von der noch immer nach Geschlechtern gruppierten finnischen Gesellschaft geleitet. So würden Freundschaften in der Grundschule vor allem zwischen Gleichgeschlechtlichen geschlossen, und die Kinder gingen in diesen Gruppen gemeinsamen Hobbys nach. Auch hätten Jugendliche bei Abschluss ihrer Schulausbildung meist noch kein gutes Bild davon, wie der Arbeitsalltag in bestimmten Berufen tatsächlich aussehe. Wenn die Informationen fehlten, träfen sie ihre Entscheidung danach, wie vertraut ihnen der Beruf erscheine. Hinzu komme sozialer Druck: Vor allem Jungen achteten sehr darauf, welche Berufe ihre Freunde und Familie für angemessen hielten. Eine freie Wahl könne man das nicht nennen, meint auch Miina Keski-Petäjä vom Statistikzentrum Tilastokeskus, die sich mit den Wunschberufen junger Menschen in Finnland beschäftigt hat. Darunter fänden sich die Berufe Krankenschwester, Lehrerin und Ingenieur, also solche, die den Jugendlichen täglich begegneten. Diese Berufe seien Jungen und Mädchen unterschiedlich gut bekannt und in ihren Köpfen mit Stereotypen und festen Geschlechterbildern besetzt.

Mit seinem Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Werten und tatsächlicher Aufstellung des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes ist Finnland nicht alleine. Die übrigen nordischen Länder verzeichnen ebenfalls einen geringen Anteil von Frauen im technischen und naturwissenschaftlichen Feld. Finnland und Norwegen etwa liegen weit hinter Ländern wie Algerien, Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück, die im Global Gender Gap Report 2017 deutlich schlechter abschnitten. Ein wichtiger Faktor könnte dabei der in den nordischen Ländern gut ausgebaute Sozialstaat sein, der es Frauen ermöglicht, bei der Berufswahl nicht nur den späteren Verdienst in Betracht zu ziehen. Der Wohlfahrtsstaat beschäftigt außerdem viele Frauen in solchen Tätigkeitsfeldern, die in anderen Ländern der häuslichen Sphäre angehören und gar nicht in den Statistiken auftauchen.

Auch wenn die Berufswahl nicht durch äußeren Zwang gesteuert wird, ist eine Trennung der Arbeitswelt in Männer- und Frauenberufe nach Meinung von Keski-Petäjä ein Nachteil. Beschneidungen des öffentlichen Sektors träfen beispielsweise Frauen härter, Stellenabbau in der Industrie wiederum die Männer. Frauenberufe sind außerdem noch immer schlechter bezahlt, was sich in niedrigeren Renten niederschlägt, und der geringe Frauenanteil in Führungspositionen bestimmt am Ende des Tages, wer in der Gesellschaft politische und wirtschaftliche Macht ausüben kann.

Die Lösung des Problems sehen die Forscherinnen vor allem in den Familien, aber auch in der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Arbeitgebern. „Wir müssen von dem Gedanken wegkommen, dass Männer oder Frauen besonders geeignet für die eine oder andere Aufgabe sind“, so Keski-Petäjä. „Als Erwachsene müssen wir uns außerdem kritisch damit auseinandersetzen, wie wir Kinder und Jugendliche durch unterbewusste Signale in bestimmte Rollen drängen. Wir sollten sie wirklich frei wählen lassen.“ Schließlich seien Informationen von besonderer Bedeutung, weiß Tanhua. Jugendliche könnten enorm davon profitieren, wenn ihnen nahestehende Erwachsene einfach mehr aus ihrem Arbeitsleben berichteten. So bekämen sie ein realistisches Bild davon, welche Berufe ihnen vielleicht einmal zusagen könnten.


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