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Finnland im Ausnahmezustand

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, hat die finnische Regierung drastische Maßnahmen beschlossen

von SusanneT , 18.03.2020 — 2 Kommentare

Ab 18.03. sind in Finnland wegen des Coronavirus die meisten Schulen geschlossen. © Pixabay

Ein einschneidender, dramatischer Vorgang: Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg wird in Finnland der Ausnahmezustand erklärt. So wird es in einigen Medienbeiträgen dargestellt und sicherlich empfinden es auch viele Finninnen und Finnen so.

Was mit der Absage von Veranstaltungen mit über 500 Personen und der Schließung von Schwimmhallen begann, ist innerhalb weniger Tage zu einem umfassenden Maßnahmenbündel geworden, das zunächst bis 13.04. gilt: Schulen und Universitäten schließen größtenteils (die Abiprüfungen werden trotzdem geschrieben und zwar zum Teil mit vorgezogenen Terminen – wohl kaum zur Freude der Abiturient*innen), Museen und Bibliotheken schließen ebenso, wer kann, soll von zu Hause aus arbeiten, die Grenzen werden geschlossen und Versammlungen von mehr als zehn Personen im öffentlichen Raum sind untersagt, kontrolliert durch die Polizei. Wer nach Finnland einreist, soll sich zwei Wochen in Heimquarantäne begeben, und sich im Ausland aufhaltenden Bürgerinnen und Bürgern wird empfohlen, schnellstmöglich nach Finnland zurückzukehren. Und ja, auch in Finnland wird gehamstert, in den Supermarktregalen für Klopapier, Nudeln oder Brot herrscht mancherorts gähnende Leere. Leer sind auch öffentliche Verkehrsmittel, die finnische Bahn wird daher ihren Betrieb deutlich herunterfahren.

Im Vergleich beispielsweise zu Deutschland ist die Anzahl festgestellter Infektionen bisher noch gering und es gab noch kein Todesopfer. Inzwischen wird jedoch nur noch sehr eingeschränkt auf das Virus getestet, die Dunkelziffer an Infizierten ist daher hoch. Aktuelle Berechnungen zur weiteren Entwicklung gehen von mehreren tausenden Menschen aus, die eine Krankenhausbehandlung brauchen werden und auch mit Todesfällen wird gerechnet– zwischen 500 und 1000 allein bei einem leichten Verlauf der Infektionswelle. Mit den Maßnahmen und dem eindringlichen Appell an Vernunft und Rücksicht versucht man hier also Schlimmeres zu verhindern. Besonders auf den in Finnland recht hohen Anteil älterer Menschen, die tendenziell anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf sind, wird dabei hingewiesen. Um besonders gefährdete Menschen zu schützen, ihnen aber trotzdem einen Einkauf zu ermöglichen, bieten einige Supermärkte spezielle Öffnungszeiten für Risikogruppen an, beispielsweise eine Stunde am Morgen vor der üblichen Öffnungszeit.

Neben allen Einschränkungen bleibt zu betonen, dass keine Ausgangssperren verhängt wurden. Premierministerin Sanna Marin appellierte an die Vernunft und Rücksichtnahme, sich selbst und andere keinem Risiko auszusetzen. Präsident Niinistö hebt in seiner Website-Botschaft hervor, dass „wir uns gegenseitig brauchen“ und aufeinander Acht geben müssten, nicht nur im eigenen engsten Umfeld, sondern die gesamte Gesellschaft müsse jetzt zusammenstehen. Hoffnung sieht er beispielsweise in den Initiativen zur Nachbarschaftshilfe, die sich spontan gründen. Dem Ausnahmezustand versucht er etwas von der Dramatik zu nehmen: es herrschten nun einmal außergewöhnlich Zustände, in Finnland und auch weltweit. Darauf müsse man mit außergewöhnlichen Maßnahmen reagieren, aber er versichert auch: wir schaffen das.
 


Da sich die Situation ständig ändern kann, ist dieser Artikel als Momentaufnahme vom 18.03.2020 zu betrachten. Ausführlichere und aktuelle Informationen lassen sich beispielsweise auf der englischsprachigen YLE-Website finden. Einen Überblick auf Deutsch über die am 17.03. beschlossenen Maßnahmen bietet die Website der Deutschen Botschaft.

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Kommentare

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hubert kleine 19. März 2020 16:33

Ein gut geschriebener Artikel, der umfassend über die Situation in Finnland informiert. Vielen Dank!

DFGNews 18. März 2020 17:57

...ja, das haben wir auch schon gehört: "das ist wie zuletzt im Winterkrieg..."

Fail GraphicBitte überprüfe deine Angaben. Vielen Dank.

Success RocketHat geklappt. Vielen Dank.

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