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1,5 Jahre auf der Flucht: Betrüger in der Schweiz aufgespürt

Perttu Nousiainen, der ehemalige Vorsitzende der Jugendstiftung, war 1,5 Jahre auf der Flucht. Laut Polizei hat er seit 2014 mehrere Straftaten begangen. Nun wurde er in der Schweiz aufgespürt.

von Swantje , 01.12.2021 — 0 Kommentare

Perttu Nousiainen hat über 10 Millionen Euro veruntreut. © Ibrahim Boran/Unsplash

Perttu Nousiainen war seit 2010 Mitglied im Vorstand der Jugendstiftung (fi. Nuorisosäätiö), zu dessen Vorsitzenden er 2013 ernannt wurde. Auch zuvor war er schon politisch und als Geschäftsmann tätig, war Mitglied im Stadtrat von Kuopio und wirkte an verschiedenen Stiftungen und Organisationen mit.

Seine Probleme fingen zwischen 2012 und 2014 an, als er sich mit seinem damaligen Unternehmen tief verschuldete. Als er dann Vorsitzender der Jugendorganisation wurde, beging er ab 2014 mehrere Straftaten. Vor zwei Wochen hat die Staatsanwaltschaft gegen Nousiainen und Aki Haaro, dem ehemaligen Geschäftsführer der Stiftung, Anklage wegen schwerer Finanzkriminalität im Zeitraum von 2014 bis 2018 erhoben. Die Anschuldigungen umfassen Betrug, Bestechung, Unterschlagung und Fälschung. Schätzungsweise wurden Gelder im Wert von mehreren zehn Millionen Euro veruntreut. Die Ermittlungen werden voraussichtlich noch bis Ende nächsten Jahres andauern.
 
Aus Angst vor den Konsequenzen floh Nousiainen im März 2020 von seinem damaligen Wohnsitz in Tallinn vor den finnischen Behörden. Es gelang ihm also, eineinhalb Jahre unentdeckt zu bleiben. Letzten Mittwoch kehrte er jedoch nach Finnland zurück, nachdem zwei Journalisten des Helsingin Sanomats, Marko Junkkari und Tommi Nieminen, sowie der Fotograf Sami Kero ihn eine Woche zuvor im Skigebiet Verbier in der Schweiz aufgespürt hatten. Wegen erneuter Verdunklungsgefahr wurde nun ein Reiseverbot gegen ihn verhängt. Die Polizisten hatten ihn noch am Flughafen kurz nach der Landung in Helsinki festgenommen.
 
Als die Journalisten und der Fotograf Nousiainen in Verbier in einem Restaurant entdeckt hatten, flüchtet er durch die Herrentoilette. Einige Tage später war er dann, nachdem er einen handgeschriebenen Brief der Journalisten erhalten hatte, doch zu einem Interview bereit, um seine Version der Geschichte zu erzählen. Beim Interview ist Anwalt Kari Uoti dabei. Er arrangierte den Rückflug von der Schweiz nach Finnland. 

Laut eigenen Angaben sei Nousiainen März 2020 sehr selbstzerstörerisch gewesen. Seine Sorgen habe er im Alkohol ertränkt und nur ein Gespräch mit einem Freund habe ihn von seinen Selbstmordgedanken ablenken können. Dann beschloss er, dass er untertauchen müsse. Die folgenden Monate habe er im Baltikum, Tschechien, Frankreich, Spanien und in Polen verbracht.

Die Journalisten konfrontierten Nousiainen mit einigen Gerüchten, wie einem gefälschten aserbaidschanischen Pass, mit dem er über die Grenzen gekommen sei. Die Vorwürfe wies er jedoch zurück. Auch über Leute die ihm halfen, wollte er nicht reden, um niemanden in Schwierigkeiten zu bringen.
 
Um unentdeckt zu bleiben, fuhr Nousiainen nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, teilte kaum jemanden mit, wo er sich aufhielt und lebte unter anderem im Hippiecamp Rainbow Gathering und anderen Kommunen. Ab September 2021 war er dann in Verbier, wo er einen finnischen Freund hatte, dem das dortige Restaurant namens Lumi (dt. Schnee) gehört. In Verbier lebte er unter dem Pseudonym Tommy Koski. Den Namen und teilweise auch die Geschichte hatte er von einem Geschäftsfreund aus Tallinn übernommen, der dort unter dem Namen Tommy Stark auftritt.

Laut der interviewenden Journalisten wirkte Nousiainen erleichtert darüber, dass die Flucht und das Versteckspiel endlich ein Ende haben. Vielleicht hatte er deshalb eingewilligt, das Interview zu geben.

Zu den Taten, die ihm vorgeworfen werden, wollte Nousiainen sich nicht äußern. Auch bestritt er, dass er noch viel Geld besitzt, was angesichts der Vorwürfe gegen ihn fragwürdig ist, zumal sein Anwalt in Finnland bekannt ist und recht teuer sein dürfte. Nousiainen behauptete, das Geld aus der Stiftung habe er genutzt, um seine Schulden zu tilgen und um Rentenversicherungsbeiträge und Steuern zu zahlen. Eigentlich habe er nur darauf gewartet, strafrechtlich verfolgt zu werden und schon während seiner Flucht überlegt, sich der Polizei zu stellen. Dennoch stand sein nächstes Fluchtziel schon fest: eine spirituelle Kommune in Italien.

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