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Rezension: Selja Ahava: Dinge die vom Himmel fallen

Hier die bereits angekündigte Rezension von Daniel Wellinghausen aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 178.

von DFGliest , 05.10.2018 — 0 Kommentare

Selja Ahava: Dinge die vom Himmel fallen © Mare-Verlag

„Vielleicht geht die Welt überhaupt nur weiter, weil Dinge einfach passieren. Gleichzeitig, zur falschen Zeit, zu verschiedenen Zeiten, an falschen Orten.“ Dieser Satz beschreibt sehr gut die Rolle des Zufalls in Selja Ahavas Buch Dinge, die vom Himmel fallen.
In vier kurzen Erzählungen beschreibt es die Geschichte einer finnischen Fami­lie, deren schönes, kleines Leben sich durch den Zufall auf dramatische Weise ändert, als ein Eisbrocken vom Himmel fällt und die Mutter der Hauptprotagonis­tin Saara erschlägt. Selja Ahava gelingt es mühelos, die Welt und die auf das Unglück folgenden Ereignisse aus der Sicht eines kleinen Kindes zu schildern. Erinne­rungen an die Mutter, das merkwürdige Verhalten der Erwachsenen und die Wärme, die ihre Tante Annu und deren Gutshof, in den die Familie nun umzieht, verströmen.
Die Geschichten wirken oftmals heiter, lassen den Leser aber immer wieder innehalten und über das eigene Leben nachdenken. Zudem kippt die warme Stimmung manchmal durch unerwartete Ereignisse ins Melancholisch-Düstere und lässt eine eben noch witzig empfundene Szene plötzlich bedrohlich und unheimlich erscheinen. Die kurzen Erzählungen gehen dabei nicht nur auf Saara ein, sondern auch auf weitere Personen in ihrem Umfeld und die Rolle des Zufalls in deren Leben. So gewinnt Saaras besagte Tante Annu nämlich zweimal im Lotto, was sie vor Schreck in einen tiefen Dornröschenschlaf fallen lässt. Nachdem sie aus diesem erwacht beginnt sie einen regen Briefwechsel mit einem Mann, der mehrmals vom Blitz getroffen wurde. Beide reflektieren über die Rolle des Zufalls, fragen sich, ob nicht doch alles Schicksal ist, und was das Ganze überhaupt soll ...
Das Buch endet wieder mit einer Erzählung über Saara, die mittlerweile in der Pubertät ist und mit ihrem Vater und seiner neuen Freundin ins Haus ihrer Kindheit zurückzieht, wo sie den Erinnerungen an die Vergangenheit und dem Geist ihrer Mutter begegnet. Der Schluss lässt den Leser zunächst etwas ratlos zurück, macht aber gleichzeitig auch Hoffnung, da es in all der Sinnlosigkeit des Zufalls auch Leben, Wachstum und eine Zukunft gibt. Man fragt sich, ob nicht der Zufall die wichtigen Momente des Lebens ausmacht, anstatt der Alltag und dessen Sicherheit, nach der sich die meisten Menschen sehnen.
Für dieses sehr interessante Werk war Selja Ahava für den renommierten Finlandia Preis nominiert und erhielt 2016 den Literaturpreis der EU. Ein sehr finnisches Buch, das man auf jeden Fall lesen sollte!

Ahava, Selja: Dinge, die vom Himmel fallen. Taivaalta tippuvat asiat. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Mare-Verlag 2017. 208 Seiten. ISBN: 978-3-86648-242-5, 20€. Eine Rezension von Daniel Wellinghausen in der Deutsch-Finnischen Rundschau 178.

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