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Rezension: Miika Nousiainen: Verrückt nach Schweden

Hier die Rezension über Miika Nousiainens "Vadelmavenepakolainen" (dt. Himbeerbotsflüchtling), das bei Nagel & Kimche mit dem Titel "Verrückt nach Schweden" erschienen ist.

von dfgliest , 29.06.2019 — 0 Kommentare

Miika Nousiainen: Verrückt nach Schweden © Nagel & Kimche

Mikko Virtanen hat ein Problem: Er ist Schwede, geboren im Körper eines finnischen Mannes. Er selbst bezeichnet sich als Nationalitäts-Transvestiten. Pech nur, dass dieses Leiden nirgendwo auf der Welt weder medizinisch noch rechtlich anerkannt wird. Also versucht Mikko, es sich in Finnland so schwedisch wie möglich zu machen: er wird der beste Schwedischschüler, kennt Schwedens Geschichte in und auswendig, verehrt die Sozialdemokratie und das Königshaus. Je älter er wird, desto stärker wird sein Drang, als echter Schwede anerkannt zu werden. Dies kommt natürlich bei seiner Umgebung nicht gut an. Im Geschäft will er nur auf Schwedisch bedient werden, auf der Arbeit fordert er Freizeit an schwedischen Feiertagen und sogar seine Wehrpflicht will er verweigern, da es ja theoretisch einen Krieg mit Schweden geben könnte.

Seine finnische Umgebung wird ihm immer verhasster und für ihn steht fest: Er muss nach Schweden, koste es, was es wolle! Während eines turbulenten Weihnachtsbesuchs in Schweden scheint es das Schicksal gut mit ihm zu meinen. Er könnte Schwede werden, müsste dafür allerdings einen Mord begehen.

Wie es mit Mikko weitergeht, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, dazu muss man das Buch schon lesen.
Miika Nousiainen ist mit seinem Debüt­roman, der in Finnland bereits 2007 erschien, ein sehr kurzweiliges und dennoch interessantes Buch gelungen. Die Geschichte ist spannend und trotz der Komik an vielen Stellen auch erschreckend ernst und manchmal sogar abstoßend, wenn Mikkos Passion wahnhafte Züge annimmt und er z. B. seine schwedischen Freunde ohne deren Wissen abhört und aufnimmt. Für Schweden und Finnlandliebhaber steckt die Geschichte dennoch voller witziger Begebenheiten, die aus Mikkos Idealisierung Schwedens und bekannten schwedischen und finni­schen Klischees entstehen.

Trotz der Komik und der unterschwelligen Spannung der Handlung ist es dem Autor überdies gelungen, deutlich zu machen, dass Nationalitäten bloße Konstrukte sind. Die oftmals diskutierte Frage nach der eigenen Identität und der Zugehörigkeit wird hier auf neue überraschende und manchmal sogar nachdenklich machende Weise erzählt und bringt trotz aller Heiterkeit auch Momente des Innehaltens und des Reflektierens mit sich. Einziges Manko ist, dass der Roman an manchen Stellen etwas langatmig wird. Einige Passagen sind zu ausführlich geschildert und die Geschichte wirkt an manchen Stellen zu konstruiert und vorhersehbar. Gleichzeitig fehlen in der deutschen Übersetzung einige Stellen, die komischerweise weggelassen wurden.
Dies ist für die Handlung nicht tragisch, schmälert aber den Eindruck, den man von Mikkos Problemen und seinen „Lösungsversuchen“ bekommt.

In Finnland gewann das Werk übrigens 2007 den „Akademiska bokhandelns“ Preis für den populärsten Debütroman. Alles in allem ein durch und durch ungewöhnliches, und trotz seiner „Schwedischkeit“ sehr finnisches Werk!

Miika Nousiainen: Verrückt nach Schweden. Vadelmavenepakolainen. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat. Nagel & Kimche 2019. 240 Seiten. ISBN: 978-3-312-01118-6, 21 Euro. Eine Reznsion aus der Deutsch-Finnischen Rundschau von Daniel Wellinghausen
 

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