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Rezension: Klaus Mann: Flucht in den Norden

1932 unternahm Klaus Mann eine ausgedehnte Reise nach Finnland. Er war so beeindruckt, dass er kaum zwei Jahre später für „Flucht in den Norden“ als Handlungsort Suomi wählte. Der Roman gilt als das erste Werk der deutschen Exilliteratur. Lesen Sie hier die Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau.

von dfgliest , 29.02.2020 — 0 Kommentare

Klaus Mann: Flucht in den Norden © rororo

Johanna, Tochter aus liberal-bürgerlichem Haus, schließt sich dem kommunistischen Widerstand an. An ihrer Seite Bruno, Genosse und mehr. Johanna kann dank ihrer finnischen Studienfreundin Karin, deren Familie in Finnland einen Gutshof betreibt, fliehen. Nur kurz will sie in dem fremden Land bleiben, dann in Paris zu abgetauchten Genossen stoßen.

Johanna fühlt sich irritiert wie angezogen ob dieser merkwürdigen, gewaltigen Landschaft, abgestoßen und berührt von der so eigenartigen, zerstrittenen Familie ihrer Freundin, auch von der schrillen, rätselhaften Yvonne. Und dann Ragnar: mächtig, männlich, mit sich selbst im Unreinen. Es entwickelt sich eine eigenarti­ge Liebesbeziehung, eine gegenseitige Abhängigkeit. Johanna verschiebt ihre Abreise immer wieder. Auf einer Fahrt nach Lappland wird klar, dass die Beziehung auf Dauer nicht tragen kann. Als Johanna erfährt, dass Bruno erschossen wurde, entscheidet sie sich für die Pflicht, für die Genossen.

Der Roman ist vielschichtig und auch heute aktuell. Politisch zeigt Mann in der Figur Johannas den schwierigen Spagat zwischen Gefühl und Pflicht. Zweifellos, Verfolgung und Mord gehören von Anbeginn an zum Machtwerkzeug der Nazis und ihrer Schergen. Aber ist der stalinistische Kommunismus die Alternative? Wo bleiben Kunst und Individuum, Priva­tes? Hier steckt Klaus Mann persönlich im Dilemma: Er, Gast beim „1. Allunionskongress der Sowjetschriftsteller“, zweifelt an der Allmacht der Partei, stellt Bedenken aber wegen der vermeintlichen Notwendigkeit einer Einheitsfront gegen Hitler zurück.

Klaus Mann lernt während seines Aufenthalts in Finnland den jungen Hans Aminoff kennen, verliebt sich, geht mit ihm eine kurze, heftige Affäre ein. Im Roman ist die geschilderte Liebesbeziehung eine heterosexuelle. Doch wird Johanna burschikos konstruiert, mit Jungenkleidung und Kurzhaarschnitt. Katrin aber, lesbisch, wird mit ihren vorsichtigen Avancen von Johanna zurückgewiesen.

Insgesamt lebt der Roman von einer eindrücklichen Naturschilderung und von der präzisen Charakterzeichnung der agierenden Personen. Beeindruckend auch die Sprache der erotischen Sequenzen. Alles in allem: sehr empfehlenswert!

Klaus Mann: Flucht in den Norden. Roman. Mit einem Nachwort von Uwe Naumann. rororo27650, Neuausgabe 2019. 288 Seiten. ISBN 978-3-499-27650-7. 11 Euro. Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau von Heiner Labonde.

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