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Rezension: Juha Hurme: Der Verrückte

Eine weitere Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau. Diesmal wird der Roman "Der Verrückte" des Finlandia-Preisträgers Juha Hurme besprochen.

von dfgliest , 14.10.2020 — 0 Kommentare

Juha Hurme: Der Verrückte © Kommode Verlag Zürich


Der 1959 in Paimio geborene Juha Hurme ist eigentlich studierter Biologe. Seine Leidenschaft und eigentliche Profession aber ist das Schreiben, das Theater, das Inszenieren, was er seit den 1990er Jahren erfolgreich betreibt und ihm mehrere Preise eingebracht hat. 2017 dann wurde er mit der höchsten Auszeichnung, die Finnland alljährlich für seine Literatur vergibt, geehrt. Der Finlandia-Preis ging an seinen Roman Niemi (Die Halbinsel).
Der kleine und unabhängige Kommode Verlag in der Schweiz hat nun den Autor und Theatermacher entdeckt, sich allerdings nicht für das preisgekrönte Werk entschieden, sondern den 2012 erschienenen Roman Der Verrückte ins Deutsche übersetzt.
Das Buch scheint keine leichte Kost zu sein, wenn der Leser gleich im ersten Satz vom ersten Tod des Protagonisten erfährt, kurz darauf vom zweiten und dann vom dritten. Wenn er ihn, den Verrückten, beobachtet an dem düsteren Dezembertag auf dem Weg ins gelbe Haus, die Psychiatrie, in die er sich selbst einweist. Wenn er miterlebt, dass der Verrückte fest davon überzeugt ist, tot zu sein und wie seine Gedanken in rasantem Tempo unaufhörlich umherfliegen. Wie ES über ihn hineinbricht und Besitz von ihm ergreift und ein inneres Chaos verursacht. Wie er von einem Traumzustand in den nächsten taumelt. Wie Erinnerungen und Personen aufploppen, die er glasklar zu schildern vermag. Seine Frau, die Tochter, die Mutter, alles fließt und geht ineinander über. Nach einem Handgemenge mit dem Personal findet sich der Verrückte schließlich in der geschlossenen Abteilung wieder. Hier macht er die Bekanntschaft interessanter Leidensgenossen, menschlicher Wracks, die, wie er, am absoluten Tiefpunkt angekommen sind. Er versucht, sich auf ihre Gedankenkarusselle einzulassen und erweist sich dabei als genauer Beobachter.
Als der Musik- und Luftgitarrenfreak Stechblick Puupponen ihm die Übersetzung eines Textes anträgt, macht sich der Verrückte ans Werk und stellt fest, dass ihm das Schreiben Ruhe verschafft und Sicherheit bringt vor dem Sog der Gedanken. So beschließt er alsdann, nicht nur eine Geschichte über Maiju Lassila zu verfassen, sondern ein Theaterstück über J. J. Wecksell, der selbst auch in einer Anstalt endete. Der Plan ist, dass seine Schicksalsgefährten das Stück zur Jahreswende aufführen. Doch es kommt anders.
Hurme weiß, wovon er hier erzählt, es ist auch seine Geschichte. Nach dem Tod seiner Mutter erlebt er selbst einen schweren Zusammenbruch. Die Ärzte dia­gnostizieren eine Psychose, Hurme begibt sich freiwillig in Behandlung. Wie sein Alter Ego verlässt auch er am Schluss die Anstalt lebendig und aufrechten Ganges.
Der Roman, mit dem der Autor aus der Rückschau die Krankheit und den Kranken protokolliert, ohne zu stigmatisieren und vorzuführen, liegt letztlich dann doch nicht so schwer im Magen. Dazu trägt in jedem Fall die lockere und heite­re Erzählweise bei, die im Verlauf an Fahrt aufnimmt. Wer sich darauf einlassen möchte, hat es hier mit einem außer­gewöhnlichen Buch zu tun.

Juha Hurme: Der Verrückte. Hullu. Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann; Teos, Helsinki 2012. Kommode Verlag Zürich 2019, 287 S., ISBN: 987-3-9525014-1-2, 20 Euro. Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau 186 von Petra Sauerzapf-Poser.

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