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Rezension: Helena Waris: Wasser aus Nuorgam

Hier rezensiert Daniel Wellinghausen in der Deutsch-Finnischen Rundschau eine lesenswerte Roadmovie, die in Nuorgam im nördlichen Lappland seinen Anfang nimmt und bei der Havis Amanda-Statue in Helsinki enden soll. 



von dfgliest , 17.04.2021 — 0 Kommentare

Helena: Wasser aus Nuorgam © Antium

Helena Waris ist in Finnland keine Unbekannte, sondern eine etablierte Autorin, die vor allem durch ihre Fantasy-Romane und Dystopien bekannt geworden und vielfach ausgezeichnet ist.

Ihr erster ins Deutsche übersetzter Roman ist jedoch eine Geschichte aus der Wirklichkeit – der finnisch-verrückten Wirklichkeit. Mikke Korhonen ist ein einsamer Singlemann Mitte 30, der kein Ziel im Leben hat, arbeitslos ist und zudem vor kurzem mit seiner Freundin Schluss gemacht hat. Eines bierseligen Abends schließt er bei einer Tour ins nördlichste Finnische Dorf – Nuorgam – mit seinem besten Freund Jere eine Wette ab: Er bekommt 100 Euro, wenn er einen Eimer Wasser von Nuorgam bis ins 1300 Kilometer entfernte Helsinki bringt. Einzige Bedingung: Er darf den Eimer nicht selber tragen, sondern muss Träger finden, die auch noch dafür bezahlen, dass sie den Eimer tragen dürfen.

Was als schräge und wenig aussichtsreiche Wette beginnt, wird von der Autorin so glaubwürdig und geschickt erzählt, dass man als Leser nicht nur wissen möchte, ob das Wasser wirklich in Helsinki ankommt, sondern welchen verrückten Leuten Mikke auf seiner Reise begegnet. Und da sind einige dabei: ein verrückter Grieche, sexsüchtige Frauen, rechtsradikale Rocker und, und, und …

Der Roman schafft es dabei mehr als ein bloßer Roadmovie zu sein, der die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich fragt, was wirklich wichtig im Leben ist. Vielmehr wird er auch zu einer Reflexion der medialen Gegenwart und der Vor- und Nachteile, die soziale Medien für das individuelle wie auch das gesellschaftliche Leben mit sich bringen können. Neben der vielbeschworenen Sinnlosigkeit von facebook und ähnlichen Foren werden auch Täuschung, Betrug und Ausnutzung thematisiert. Dies jedoch ohne einen expliziten moralischen Zeigefinger, sondern immer „sanft“ zwischen den Zeilen, eingebettet in die Geschichte und Mikkes Wertesystem.
Besonders in Zeiten von Corona, in denen Finnland für viele ein ferner Traum bleibt, eignet sich Mikkes Reise wunderbar, der Welt für ein paar Stunden zu entfliehen und in die verrückt-melancholisch finnische Welt einzutauchen.

Waris, Helena: Wasser aus Nuorgam. (Nuorgamin vettä) Aus dem Finnischen von Beat Hüppin. Antium 2020, 350 S., ISBN 978-3-907132-14-2, 19,50 Euro. Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau 188 von Daniel Wellinghausen.



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