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Rezension: Mia Kankimäki: Dinge, die das Herz höher schlagen lassen

Die neue Deutsch-Finnische Rundschau wird bald bei den DFG-Mitgliedern sein. Auch diesmal fehlen die Buchbesprechungen nicht. Lesen Sie hier über Dinge, die das Herz höher schlagen lassen von Mia Kankimäki.

von dfgliest , 20.09.2021 — 0 Kommentare

Mia Kankimäki: Dinge, die das Herz höher schlagen lassen © btb

Bücher über Bücher oder Autor*innen sind unterschiedlich: Es sind Reflexionen, Erinnerungen, Retrospektiven, Annalen, Biografien. Was aber, wenn eine Autorin über eine Schriftstellerin schreibt, über die man so gut wie nichts weiß?

So geht es Mia Kankimäki, die in den Sog des Kopfkissenbuches (Makurano Soshi) der japanischen Hofdame Sei Shonagon gerät – eines der frühesten und zugleich bedeutendsten literari­schen Prosawerke der japanischen Literatur, entstanden um das Jahr 1000 n. Chr. in der Heian-Periode am kaiserlichen Hof in Kyoto. Das Kopfkissenbuch gilt als Sittengemälde seiner Zeit, es ist keine zusammenhängende Erzählung, sondern eine Sammlung von Anekdoten, Betrachtungen, Gedichten, witzigen und selbstironischen Anmerkungen – und Listen emotionaler Situationen, die Kankimäki besonders gereizt haben, weil sie sich dem Zugang zunächst nicht ohne Weiteres öffnen und man ihre Bedeutung suchen muss.

Diese Listen stehen auch Pate für Kanki­mäkis zunächst sperrig wirkenden Titel Dinge, die das Herz höher schlagen lassen. Das Buch von Sei Shonagon also ist bekannt – ansonsten weiß man vieles über die Tochter eines bekannten Dichters nicht, etwa wie sie mit richtigem Namen hieß, welchen Einfluss Macht und Intrigen bei Hofe auf ihre Position hatten und was aus ihr nach den etwa zehn Jahren im Dienst der Kaiserin Teishi wurde, als jene starb. Mia Kankimäki möchte Sei kennenlernen, nicht nur ihr Buch. Sie fährt nach Kyoto, entdeckt historische Spuren und die moderne Stadt, versucht immer wieder, Zwiesprache mit Sei oder mit ihrem inneren Bild von Sei, das sich stetig wandelt, zu halten. Mia spürt, wie modern, frei, ja zum Teil emanzipiert Sei denkt und schreibt – bei aller Etikette und gerade für Frauen damals verbotenen gesellschaftlichen Terrains. Sie erkennt in Sei eine Schwester in Geist und Seele.

Und so steigt Mias literarisches Ich selbst auf den Spuren Sei Shonagons aus ihrem eher langweiligen, wenig Sinn gefüllten Job als Werbetexterin und Leben als alleinstehende Frau aus – neben der historischen Recherche und dem japanischen Reisebericht öffnet sich in Kankimäkis Buch eine Selbstfindungsgeschichte, an deren Ende Mia endlich frei zu sein scheint, ihre ganz eigenen Lebensentscheidungen zu treffen.

Mias Seele badet in der Kirschblüte, wird gefangen von japanischen Theater­aufführungen, hängt in versteckten Bars ab, findet Freunde und Weggefährtinnen in einer fremden und faszinierenden Welt.

Mia Kankimäki studierte vergleichende Literatur an der Universität Helsinki. Der vorliegende Band ist ihr erster Roman, lebendig im Stil eines Tagebuchs geschrieben und einfühlsam übersetzt von Stefan Moster.

Mia Kankimäki: Dinge, die das Herz höher schlagen lassen. Asioita jotka saavat sydämen lyömään nopeammin. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. btb 2021. 528 Seiten. ISBN 978-3-442-71934-1, 12 Euro. Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau 190 von Jessika Kuehn-Velten.


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