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Rezension: Sofi Oksanen: Hundepark

Sofi Oksanen hat mit ihrem Roman "Hundepark" viel Aufmerksamkeit erregt. Lesen Sie hier die Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau.

von dfgliest , 14.03.2022 — 0 Kommentare

Sofi Oksanen: Hundepark © Kiepenheuer & Witsch


Der Titel des neuesten Werkes von Sofi Oksanen ist nicht nur eine Metapher – einer der zahlreichen Hundeparks in Helsinki ist es, in dem die Stränge des Romans zusammenlaufen, in dem sich das Schicksal der Protagonistin Olenka verdichtet.

Wir lernen Olenka als arme Reinigungsfrau 2016 in Helsinki kennen – und als Kind und junges Mädchen aus der Ukraine, dem Kohlerevier Donbas, das aus Not heraus in die Mühlen der korrupten Fruchtbarkeitsmafia in Osteuropa gerät und sich als Anwerberin für verzweifelte junge Frauen im Handel mit Eizellenspenden verstrickt und verliert. Olenka hat Wohlstand gesehen und verliert dann doch alles – die Liebe, Träume von Familie, ihre Sicherheit, ihre Werte und auch den kurzen angenehmen Lebensstandard. So wird sie zur tragischen Figur in Oksanens vielschichtigem Roman.

Dass der Donbas in der Region Donezk in der Ostukraine schon seit 2014 und gerade jetzt wieder im Mittelpunkt politi­scher Sorgen und kämpferischer Ausein­andersetzungen steht, verleiht der Geschichte sicher eine besondere Brisanz. Olenka macht sich schuldig und wird beschuldigt – und begibt sich in Angst vor Strafe und Rache auf die Flucht. Helsinki, wo sie landet, scheint nicht weit genug weg zu sein. Und wen die Schuld an all dem, was sich aus Olenkas Tätigkeit entwickelt, schließlich wirklich trifft – persönlich, gesellschaftlich, politisch – ist eine Frage, über die man lange diskutieren könnte. Olenka ist wohl irgendwie beides – Täterin wie Opfer.

Eizellenspenderin zu sein für reiche kinderlose Familien aus dem Westen oder der russischen Oberschicht, zerbricht nicht wenige Frauen, die hoffen, damit dem materiellen Elend zu entkommen. Sie tragen neben dem seelischen auch ein körperliches Risiko. Dafür bekommen sie meist eine kleine Entschädigung – nur in den USA werden größere Summen gezahlt –, während die Kinderwunsch-Büros und Kliniken verdienen, wie im vorliegenden Buch. Das ist eine politische, im besten Sinne feministische Botschaft Oksanens. In vielen Ländern ist die Eizellenspende nach wie vor erlaubt, in Deutschland ist sie verboten, in Finnland nur als bekannte oder offene, also nicht anonyme Spende zugelassen.

Sofi Oksanen, für ihren Roman Fege­feuer vielfach ausgezeichnet, gelingt es wieder meisterhaft, ein heikles Thema spannend, fast wie einen Thriller, umzusetzen. Sie selbst hat estnische und finnische Wurzeln, scheint etwas zu verstehen vom Mehrfachen in der Identität; mühelos jedenfalls bewegt sie sich in ihrem Roman zwischen der Ukraine, Estland, Russland und Finnland, jongliert zwischen Welten und Zeiten.

In ihrem ganz eigenen Duktus, ihrer eigenen Sprache ist die studierte Dramaturgin Oksanen Meisterin der Andeutung, die sie gerade lange genug aufrechterhält, damit Leserin und Leser zu einem Bild kommen können, ehe es mit der kleinen nächsten Gewissheit weitergeht. Das schafft ein besonderes Lesevergnügen. Und Angela Plöger, die wieder einmal für die Übertragung Oksanens ins Deutsche verantwortlich zeichnet, geht diese Spannungsbögen in eindrucksvoller Weise mit.

Sofi Oksanen: Hundepark. Koirapuisto. Aus dem Finnischen von Angela Plöger. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2022. 480 S., ISBN 978-3-462-00011-5. 23 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 192 von Jessika Kuehn-Velten.

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