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Rezension: Volter Kilpi: Der Wanderer auf dem Eis

Vor kurzem wurde Übersetzer Stefan Moster für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung mit "Im Saal von Alastalo. Eine Schilderung aus den Schären" von Volter Kilpi nominiert. Hier kommt nun die Rezension eines zweiten Romans von Kilpi: Der Wanderer auf dem Eis. Drei Erzählungen aus den Schären.

von dfgliest , 29.03.2022 — 0 Kommentare

Volter Kilpi, Der Wanderer auf dem Eis. Drei Erzählungen aus den Schären © mare

Zunächst einmal: Dieser kleine Band mit Erzählungen aus den finnischen Schären ist wunderschön und hochwertig aufgemacht, eine haptische Freude mit offenem Schuber und Leineneinband, in grau und chamois gehalten. Das passt gut dazu, dass er uns in eine vergangene Zeit versetzt, in der das Leben in der Bilderbuchlandschaft der Turkuer Schären vor allem hart und entbehrungsreich war.

Volter Kilpi, 1874 in Kustavi als Sohn eines Kapitäns und Schiffseigners aus der Reeder-Dynastie Eriksson geboren, 1939 in Turku gestorben, schreibt über seine Heimat, schreibt über die Menschen aus dem einfachen Volk, die am Meer in den Schären wohnen und ihr Auskommen und die Aussöhnung mit ihrer je eigenen Geschichte finden müssen. Er lässt ihre Innenwelt, ihre Sorgen, Wünsche und Überzeugungen, ihre Entwicklung mit Erfolgen und Fehlschlägen lebendig werden – wie die des alten Taavetti, der in der ersten der Erzählungen eigentlich nichts tut, als eine beschwerliche Fuhre Wacholderholz für Bootsnägel auf dem Schlitten über Schnee und Eis heimwärts zu ziehen, und dabei innerlich seine Lebensspanne durchmisst.

Der Bibliothekar Kilpi bringt als junger Mann drei Romane heraus – dann schweigt seine Feder für fast 30 Jahre, unterbrochen nur durch einige Artikel und zwei Schriften zu politischen Themen. Und dann, in den 1930er Jahren, gelingt diesem stillen, eher introvertierten Mann mit der sogenannten Schärentrilogie ein unglaublicher literarischer Wurf. Der erste Band der Trilogie, Im Saal von Alastalo, gilt heute als einer der bedeutendsten finnischen Romane, ein Epos in Prosa, das in das Leben eines Dorfes an einem Tag eindringt, sprachgewaltig und bewusstseinsschärfend. 900 Seiten umfasst dieser erste Teil der Trilogie– da ist der vorliegende kleine Band mit Erzählungen aus dem zweiten Teil der Trilogie vielleicht geeigneter, sich dem großen Erzähler zu nähern, der den Vergleich mit Marcel Proust und anderen nicht scheuen muss und den finnischen Staatspreis für Literatur erhielt. Stefan Moster zeichnet für die Übertragung ins Deutsche verantwortlich – er hat die Herausforderung von Kilpis eindringlicher, narrativer Sprache meisterhaft angenommen.
 
Volter Kilpi, Der Wanderer auf dem Eis. Drei Erzählungen aus den Schären.
Die finnische Originalausgabe erschien 1934 unter dem Titel Pitäjän pienempiä. Saaristoväkeä arkisillaan bei Otava in Helsinki. Für die vorliegende Über­setzung, die auf der Originalausgabe basiert, wurden daraus drei Erzählungen ausgewählt: Jäällävaeltaja, Kaaskerin Lundström und Merimiehen leski. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. mareverlag 2021. 256 Seiten. ISBN 978-3-458-17942-9. Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau192 von Jessika Kuehn-Velten.

 

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