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Rezension: Juhani Karila: Der Fluch des Hechts

Hier eine Rezension des Debütromans von dem aus dem Osten Lapplands stammenden Journalisten und Schriftstellers Juhani Karila.

von dfgliest , 27.06.2022 — 0 Kommentare

Juhani Karila, Der Fluch des Hechts © Homunculus Verlag

Der Debütroman des aus dem Osten Lapplands stammenden Journalisten und Schriftstellers Juhani Karila ist wirklich neu und anders: gleichzeitig verstörend und humorvoll-ironisch, gleichzeitig mys­tisch und realistisch, fast schnodderig im Habitus.

Karila lässt uns auf einem Erkundungsflug mit einem gehörigen Platschen im Dorf Vuopio bei den Sümpfen und Mückenschwärmen Lapplands und mitten in einer Mischung aus Fantasie-, Kriminal- und Liebesgeschichte landen. Hier scheint die Zeit stehengeblieben, gibt es Mythenglauben und keinen Handy­empfang.

Zwei Frauen bestimmen die Handlungslinien: Die unerschrockene Polizis­tin Janatuinen, die einen Mord aufzuklären hat, und Elina Ylijaako, die aus Vuopio stammt, längst weiter im Süden Finnlands lebt und einmal jährlich in die alte Heimat kommt, um in einem kurzen Zeitfenster einen Hecht zu fangen, einen Fluch zu bannen und so ihr Weiterleben zu erkämpfen – und Janatuinens Hauptverdächtige ist.

Die Geister und Gestalten, die sich ihr in den Weg stellen, sind bedrohlich, aber auch irrwitzig bizarr, Vuopios Einwohner leben mit ihnen, als wäre dies das Normalste der Welt. Genug unter ihnen sind selbst halbe Hexen und Zauberer.

Das Buch umspannt nur fünf Tage und rollt gleichzeitig Jahre von Familiengeschichten und Verwicklungen auf. Auch die pelzigen, riesigen, schlammigen, nur zum Teil oder nicht für alle sichtbaren Kreaturen der Fantasiewelt werden mit Geschichten ausgestattet und verkörpern menschliche Urtriebe, Sehnsüchte und Leidenswege. Manche dieser recht ekligen Gestalten tragen sogar zum Teil sympathische Züge. Elina als Tochter einer Hexe weiß mit ihnen umzugehen, schließt Handel mit ihnen und übernimmt sich fast dabei – Janatuinen wiederum verfügt über reichlich Intuition und Bereitschaft, sich in die Welt Vuopios einzufühlen, und lernt täglich dazu. Letzten Endes werden innere Stärke und die Haltbarkeit der Gemeinschaft in diesem Dorf von Eigenbrötlern darüber entscheiden, wer welchen Sieg davonträgt – und mit dem Leben davonkommt …Das Ganze bettet Karila in die Natur Lapplands ein, die vielfach idealisierte und mythologisierte, die er jedoch nicht einfach überhöhend beschreibt, sondern real, augenzwinkernd und doch stark und urgewaltig.

Ein surrealistischer Roman mit viel Wirklichkeitskonstruktion erwartet die Leser*innen. Karila spielt mit Realitäten, erzählt, wie Glauben und Verhalten die Welt gestalten. Der Fluch des Hechts wurde in Finnland mit mehreren Preisen im Bereich junge Literatur und fantastische Literatur ausgezeichnet. Karila schreibt als Journalist unter anderem für Helsingin Sanomat. 2013 kam sein erster Erzählband, Gorilla, heraus, ein viel beachtetes Debüt. Nun dürfen wir gespannt sein, was dem ersten Roman literarisch aus Karilas Feder folgt.

Die Übersetzung des Romans durch den etwa gleichaltrigen Finnougristen, Linguisten und Sprachwissenschaftler Maximilian Murmann ist gelungen – eins jedoch stört beim Lesen: Die Anleihen an deutschen Dialekten, wohl um entsprechenden finnischen Passagen gerecht zu werden, vor allem das ständige „net“ statt eines „nicht“ in den wörtlichen Reden wirken gekünstelt, vor allem, wenn man als Leser*in nicht aus dem süddeutschen Raum stammt.

Juhani Karila, Der Fluch des Hechts. Pienen hauen pyydystys.
Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann. Homunculus Verlag 2021. 304 Seiten. ISBN 978-3-946120-76-6. 24 Eur. Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau 193 von Jessika Kuehn-Velten.
 

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