In dem Artikel »Die Industrie am Ufer der Tammerkoski-Stromschnellen« habe ich bereits von Unternehmern James Finlayson und Wilhelm sowie Alexander von Nottbeck berichtet. Diese prägten maßgeblich die städtische Industrie und ferner Infrastruktur. Welchen anderen städtischen Persönlichkeiten begegnet man, wenn man durch die Straßen von Tampere läuft?
Ich möchte in einer kleinen Serie von Personen erzählen, welche in Tampere geboren sind und ihr Leben der Kunst, dem Theater, der Literatur und der Musik widmeten. Es seien außerdem ein Architektenehepaar und ein Unternehmer erwähnt, welcher einer der engsten Freunde des Präsidenten Urho Kekkonen gewesen ist. Beginnen möchte ich diese Serie, indem ich Sara Hildén vorstelle – und mit ihr das Kunstmuseum Sara Hildén am südlichen Ufer des Sees Näsijärvi.
Eine Entdeckung am Ufer des Näsijärvi
Rein zufällig landete ich vergangenes Wochenende vor dem Betongebäude des Kunstmuseums. Zwar hatte das Museum schon auf meiner Liste gestanden, doch an diesem späten Samstagnachmittag war ein Besuch nicht geplant gewesen. Das Gebäude ist 1978 von dem Architekten Asko Rasinperä* fertiggestellt worden und ist ein typischer Vertreter der Betonmoderne. Während sein Äußeres mit Waschbetonplatten verkleidet ist, bildet Sichtbeton ein Kontrast zu den Gemälden und Skulpturen in den Ausstellungsräumen. Mich beeindruckte, wie natürlich sich das Gebäude an das Ufer des Näsijärvi anschmiegt. Der See wirkt ganz nah, wenn man an die einzelnen und riesengroßen Fenster herantritt und die Gefühle, welche die Gemälde in einem geweckt haben, verarbeitet oder vorbeiziehen lässt. Derzeit befindet sich in den Räumen die Ausstellung »Vastamaalattua – Freshly Painted«, in der 22 junge Künstler*innen ihre Werke ausstellen. Mich faszinierten insbesondere die Gemälde von Johanna Saikkonen, welche sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur beschäftigen, sowie die fantasievollen und schimmernden Werke von Essi Kuokkanen. Mir viel auf, dass ich in keinem Raum Sara Hildén begegnete und fragte mich, wer diese Frau wohl war, wenn keine Künstlerin selbst?
Die Person hinter dem Namen des Museums
Sara Hildén wurde 1905 in Tampere geboren und verbrachte die ersten 13 Jahre zum großen Teil bei ihren Großeltern in Lempäälä, einer Gemeinde etwa 25km südlich von Tampere. Nachdem sie nach Tampere 1919 zurückgekehrt war und ferner als Verkäuferin bei Puku-Aita tätig gewesen war, wurde sie 1942 Geschäftsführerin von dem Bekleidungsunternehmen Tampere Pukutehdas Oy, welches seit Ende der 1930er Jahren das größte Bekleidungsunternehmen in Tampere war. In den 1930er Jahren begann Sara, Kunstwerke zu sammeln. Diese Ankäufe sollte sie in den folgenden Jahrzehnten noch zielstrebiger fortsetzen. Prägend für die moderne Kunst in Finnland und auch für Sara waren die Ars-Ausstellungen, die seit 1961 in Finnland ausgerichtet werden und internationale Kunstwerke präsentieren. Zunächst fanden die Ars-Ausstellungen im Kunstmuseum Ateneum in Helsinki statt und seit 1995 ist das Museum für moderne Kunst – Kiasma – ihr Ausstellungsort. Als sich Sara und der Maler Erik Enroth 1963 schieden, konzentrierte sich Sara vor allem auf die Sammlung moderner Kunst. Nicht nur für Gemälde begeisterte sie sich, sondern auch für Keramik und natürlich für Textilien. Schließlich war Sara an diversen Gründungen von Bekleidungsgeschäften beteiligt gewesen: in Tampere etablierte sie unter anderem die Geschäfte »Hildénin« in der Straße Hämeenpuisto 35 und »Muotitalo Hildén« in der Straße Näsilinnankatu 26. Ihr Unternehmergeist war auch in Lahti zu spüren. Als erfolgreiche Geschäftsfrau hatte sie das nötige Kapital, nationale wie auch internationale Kunst zu sammeln. Ihre Reisen führten sie dabei nach Paris und und auf die Biennalen nach Venedig.
Die Stiftung Sara Hildén
Die Sara Hildén Stiftung, welcher sie ihre Kunstsammlung vermachte, wurde von ihr 1962 gegründet. Ihr Ansinnen ist gewesen, durch die Stiftung die bildenden Künste zu fördern. Noch heute verfolgt die Stiftung dieses Vorhaben. In der Sammlung befinden sich etwa 6000 zeitgenössische Kunstwerke und sie zählt somit zu den bedeutendsten ihrer Art in Finnland. Sowohl ausländische Werke wie von Pablo Picasso, Pierre Bonnard, Paul Klee und Henry Moore, als auch finnische Kunstwerke sind enthalten. Das Museum organisiert vielfältige Ausstellungskooperationen. Beispielsweise wurden 2024 Werke aus Glas des französischen Bildhauers Jean-Michel Othoniel in dem Sara Hildén Museum ausgestellt.
Mir war an dem späten Nachmittag, als ich auf einmal vor den Toren des Museums stand, noch nicht bewusst gewesen, welchem bedeutenden Namen ich hier gegenüberstand. Sara Hildén ist eine Persönlichkeit, die nicht nur die Stadt Tampere geprägt hat. Durch ihre Stiftung garantiert sie bis heute die Wertschätzung und Förderung zeitgenössischer Kunst in Finnland.
Anmerkungen
*Asko Rasinperä arbeitete zu dieser Zeit im Architekturbüro von Pekka Ilveskoski. Letzterer war unter anderem der Architekt des Aussichtsturms Näsineula, der ein Wahrzeichen der Stadt Tampere ist.
Literatur
Sara Hildénin taidemuseo: Sara Hildénin elämä ja taide. <https://www.sarahildenintaidemuseo.fi/sara-hildenin-saation-ja-museon-historia/; 22.05.2026>.
Marjo: Sara Hildénin museossa Tampereella on Jean-Michel othonielin upea yksityisnäyttely 15.9. asti nähtävillä. <https://www.marjonmatkassa.fi/2024/09/sara-hildenin-museossa-tampereella-on.html; 22.05.2026>.
Ars-näyttelyt. <https://fi.wikipedia.org/wiki/Ars-näyttelyt; 23.05.2026>.
Pekka Ilveskostki. <https://fi.wikipedia.org/wiki/Pekka_Ilveskoski; 22.05.2026>.
Sara Hildén 1940-luvun alussa. <https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/15/SaraHilden.jpg; 22.05.2026>.
Museo.fi: Sara Hildenin taidemuseo. <https://museo.fi/sara-hildenin-taide-museo/; 22.05.2026>.
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